50. Bieg Piastow – 25km
Der Winter ist fast um und die Höhepunkte waren alle vorbei. Als Saisonabschluss haben wir Jungs, also Erik, Luci, Anton und ich (Franz), uns überlegt, nochmal einen großen Volkswettkampf mitzumachen. Wir haben uns den Bieg Piastow ausgesucht. Der größte Langlaufwettkampf in Polen, welchen man über die verschiedensten Streckenlängen und in verschiedenen Techniken absolvieren kann. Wir haben uns auf die 25 km klassisch geeinigt. Für mich tatsächlich das erste Mal bei so einem großen Wettkampf und das merkte man ganz schnell bei der Anmeldung. Die Auslosung des Startplatzes wird, wie bei vielen großen Volkswettkämpfen, nach deinen erbrachten Vorleistungen ermittelt. Da ich jedoch nie einen Loppet irgendwo mitgemacht habe, wurde ich in Startwelle 9 eingeordnet. Jeder, der sich etwas mit der Materie auskennt, weiß ganz genau, dass Startwelle neun auf 25 km ein durchgängiges Überholen der anderen Sportler zur Folge hat. Auch die Hoffnungen auf eine gute Spur sind dabei verschwindend gering. Denn bei so einem Wettkampf machen wirklich alle mit. Von Profis, welche speziell für die Wettkämpfe trainieren und scharf auf die Preisgelder sind, bis hin zu ganz normalen Hobbysportlern, welche mehr oder weniger die Runde gemütlich abwandern. Deshalb war ganz hinten stehen keine Option und es wurde nochmal eine extra E-Mail geschrieben. Schließlich konnte ich mehrere Sachsenmeistertitel vorweisen, was mich schlussendlich in die erste Startwelle beförderte. Eine Startwelle hinter der Elite. Die anderen haben es genauso gemacht und somit standen am Ende Erik und Anton in der Startwelle der Elite ganz vorne und Luci und ich in Startwelle eins. Eigentlich keine schlechte Ausgangslage. So, aber zurück zum Anfang, denn der Wettkampf startet nicht an der Startlinie, sondern schon wesentlich eher mit der Frage, was gewachst werden sollte. Und das war dieses Mal gar nicht so leicht zu beantworten. Der Wetterbericht hatte für den 22.02. starken Regen angesagt. Also Regen bis 25 L und knapp 30 L am Vortag. Dazu starker Wind, damit man den Regen nicht nur von oben spürt, sondern auch von vorne und von der Seite. Die Woche davor verging und die Prognose schwächte immer weiter ab. Ein Glück… . Doch was gewachst werden sollte, wussten wir immer noch nicht. So haben wir uns am Abend vorher mit dem Coach in der Hütte verabredet und gemeinsam unsere Skier vorbereitet. Das heißt: eine schöne, nasse Struktur und das richtige Wachs. Wir entschieden uns für einen Silberski mit etwas Rossa-Rot. Dazu nahm jeder noch einen Wechselski mit zum Wettkampf, falls die Bedingungen doch anders wären als gedacht. So hieß es dann am Sonntag: 5:20 Uhr aufstehen, denn 6 Uhr war Abfahrt Richtung Jakuszyce. Im Auto von Jörg fuhren noch Anton und Luci mit sowie Veronika als Unterstützung vor Ort. Bei Stephans, also Andreas und Erik, fuhren Katja und ich mit. Katja ebenfalls als unterstützende Mutti vor Ort. So zumindest der Plan. Am Ende entschied sich Eriks Vati doch dazu, zuhause zu bleiben, und wir fuhren nur zu dritt im Auto. Ein Moment, der später noch entscheidend werden sollte. Zurück zum Wettkampf. Pünktlich angekommen suchten wir uns einen Parkplatz und machten uns mit der Anlage dort vertraut, denn unser Start war 9:00 Uhr. Vor Ort ein riesiges Biathlonstadion, viele Zelte von Sponsoren und Werbeträgern, zahlreiche Sportler sowie ein hervorragend aufgebauter Start- und Zielbereich. Also ein kleiner Unterschied zur Kreismeisterschaft war schon zu merken. Und was machte das Wetter? Naja, es regnete. Zwar nicht so schlimm wie anfangs gemeldet, aber der fallende Regen mit dem Wind machten es schon sehr ungemütlich. Die Beutel mit den Startnummern haben wir bereitgelegt, also ging es jetzt, Skier testen. Fuhren eigentlich super, muss ich sagen. Deshalb alles so lassen und ab nochmal schnell auf die Toilette und bereit machen für den Wettkampf. Naja, schnell war anders. Es ähnelte dem Tempo, wenn an der Netto-Kasse die Muttis den Wocheneinkauf auf das Rollband legten und du dahinter warten musstest So fühlte es sich an. Deshalb kurzer Stress, denn die Zeit rannte. Und in dem Moment griff ich beim Umziehen den falschen Beutel und hatte nun die Nummer von Eriks Papa. Was ich jedoch bis dahin nicht wusste. Somit jetzt schnell zum Start die Skier in den Startbereich bringen, denn es waren nur noch 15 min bis zum Start. Der Startbereich füllte sich und die Elite mit Anton, Jörg und Erik ging Punkt 9 Uhr raus. Kurz danach, mit vielleicht 4 Minuten Abstand, ging es für Luci und mich los. Einen kleinen Anstieg aus dem Startbereich raus und dann ab auf die Strecke. Das Tempo war am Anfang recht hoch und die meisten hatten ihre Skatingskier mitgebracht und wollten die 25 km durchschieben. Zumindest aus den vorderen Startwellen. Da ich ja keine Ahnung hatte, wie schnell man sowas angeht, bin ich mal mit den anderen mitgeschoben. Und dieses Schieben hatte ja wirklich kein Ende genommen. Auf dem Streckenprofil sollte es bis km 14 eigentlich nur bergab gehen, mit wenigen Anstiegen. Doch wo waren bitte die Abfahrten und die Berge? Da weile war es, bis km 14 wirklich nur durchschieben auf einer langen Geraden (ehemalige Bahnschiene), welche ein minimales Gefälle aufweist. Einen Berg gab es in der Zwischenzeit und an dem konnte man endlich mal herrlich einen klassischen Diagonalschritt laufen. Schön an den ganzen Schiebern vorbei. In der Zwischenzeit hatte ich bereits Jörg eingeholt. Danke nochmal für die Anfeuerungsrufe zwischendurch! Nun endlich km 14 erreicht, wo man auf eine große Wiese kam, auf der man ein paar Schleifen drehte und über eine kleine Verpflegungsstation wieder den Rückweg antritt. Luci war mir dicht auf den Versen, deshalb ein kleines Iso-Getränk und weiter geht’s. Jetzt sollte laut Profil der Anstieg losgehen. Doch genauso steil wie die Abfahrten war auch der 6-km-Anstieg. Nämlich gar nicht steil, sondern eher liegend. Also ging es weiter mit Schub, nur dieses Mal mit einem Zwischenschritt als kleine Entlastung für die Arme. Auch das nahm für mich kein Ende. Ständiges Überholen von irgendwelchen Schiebern, dann so schon langsame Bedingungen durch den Regen und jedes Mal, wenn man aus dieser einen schnellen Spur rausgetreten ist, musste man dreimal so viel Kraft einsetzen wie vorher, um die Geschwindigkeit zu halten. Da will man 4 Leute auf einmal überholen, tritt aus der Spur und auf einmal ist man wieder langsamer. Da presst man sich vorbei und am Ende war man nach dem Überholmanöver jedes Mal tot. Und so ging das ständig! Das hat schon hart an der Motivation gekratzt. Und dann kam Luci auch noch von hinten. Kurz gequatscht und dann ging es für uns in die Verfolgung von zwei alten Männern (ich schätze 50). Und die haben echt Schnüre gemacht. Luci musste bei den Schiebepassagen wieder abreisen lassen und ich versuchte, mich bei dem Alten im Windschatten zu halten. Doch keine Ahnung, was es bei ihm heute zum Frühstück gab, denn der Typ ist die Berge da hochgeflogen. Als wir dann endlich den höchsten Punkt erreicht hatten, sollte es nur noch bergab Richtung Ziel gehen. Vorher hatten wir extra noch gesagt, dassTempo man an dem Punkt ruhig blau sein kann, denn der Rest geht ja nur bergab. Aber nix. Wieder schieben bis zum Umfallen und dieser Opi machte tempo wie Kleabo. Leider bekam ich irgendwann die Arme nicht mehr hoch und musste ihn fahren lassen. Doch irgendwie war Verschnaufen nicht. Eine Mutti, die wir zwischendurch überholt hatten, versuchte jetzt mit aller Kraft, mich wieder einzuholen. Und sie kam auch näher! Was ist denn bitte hier los? Doch dann die Erlösung. Man konnte das Stadion sehen. Mit einem Zielsprint über die Linie hatte ich mich noch vor der Mutti reingerettet. Erik und Anton warteten schon auf uns. Kurz darauf folgte Luci. Alle Pitsche nass. Schnell einen warmen Tee trinken und umziehen gehen. Und in dem Moment realisierte ich es. Ich bin für Andreas Stephan gelaufen. Am Ende auf Platz 2 in seiner AK, da denke ich, kann er sehr zufrieden sein. Ich allerdings etwas genervt, weil ich jetzt für den nächsten Wettkampf wieder das Problem mit dem Startplatz bekomme. Naja, nächstes Mal da einfach besser aufpassen. Am Ende sind wir alle um 1:30:00 h rumgefahren. Erik war dabei der Schnellste von uns vieren und wurde sogar drittbester Deutscher. Jetzt aber schnell nach Hause in die warme Wanne und den Tag entspannt nochmal Revue passieren lassen. Das sollte auf alle Fälle einen ordentlichen Muskelkater geben. Alles in allem eine coole Veranstaltung, auch wenn das Wetter nicht so gestimmt hat und die Strecke auch nicht ganz so abwechslungsreich ist. Trotzdem hatten wir einen guten Wachsski und ein tolles Erlebnis zusammen.